Maitri May
Sie fuhren mir Fähren zu verschiedenen griechischen Inseln, aber Martha bemerkte, dass Jason morgens extrem langsam und er ewig brauchte, um aus dem Bett zu kommen und
loszugehen. Er verbrachte jeden einzelnen Morgen etwa zehn Minuten damit sich im Spiegel zu betrachten und sein Haar mit der Hand zu messen, indem er es nach unten hinter seinen
Rücken zog und er stellte ihr jeden Morgen dieselbe Frage.
- Was meinst du? Glaubst du, dass sie jetzt länger sind? – fragte er immer uns zog dabei sein langes lockiges Haar nach unten.

Als ihr zum ersten Mal diese Frage gestellt wurde, wusste sie nicht, was sie antworten sollte, denn sie hätte nicht gedacht, dass sie ernst gemeint war, doch nach mehreren Tagen mit
immer derselben Frage, verstand sie, dass er ein Egoproblem hatte und streichelte es.
- Ja, ich glaube schon. Ich meine, dass sie gestern kürzer gewesen sind, aber heute sehen sie richtig lang aus – antwortete sie von nun an täglich auf immer dieselbe Frage und musste
sich bemühen nicht zu lachen, doch hatte sie stets ein hypokritisches Lächeln auf dem Gesicht.
- Auch wirklich? Meinst du das echt? – fragte er jeden Tag und glaubte ihren Worten, verstand aber nicht, dass sie bloß mit seinem Ego spielte.

An einem dieser Abende auf einer Insel, gingen sie in ein Restaurant um Abend zu essen und Jason fragte sie:
-Wo versteckst du das Geld, um ins Restaurant zu gehen –
- In meiner Tache – antwortete sie und verstand nicht, weshalb sie es verstecken sollte.
- Du Idiot, wir werden durch den Wald gehen und wenn wir überfallen uns ausgeraubt werden, werden sie dein Geld ganz leicht finden, aber meins werden sie nicht finden, weil ich
schlau bin und es in meiner Socke verstecke. Hahaha… und anschließend werde ich zu Abend essen und du wirst mir beim Essen zusehen, aber wirst selbst nichts essen, weil ich dir
keinen einzigen Dollar leihen werde –

- Mhm… o.k., das ist mir egal. Du behältst deine Angst ausgeraubt zu werden, ich habe keine Ängste. Mein Gefühl sagt mir nicht, dass ich Angst haben muss, also habe ich keine –
sagte sie und hatte langsam seine Unreife satt, weil er nur ein Jahr jünger war als sie, aber ein Teenager mit Problemen zu sein schien.

Sie wurden nicht ausgeraubt und nach dem Abendessen, als sie zahlen sollten, zog Jason seinen Schuh aus, dann  seinen Socken, aber das Geld war nicht da. Dann den anderen
Schuh und den anderen Socken, aber das Geld war nirgends zu finden- Dann verstand er, dass das Geld beim Laufen aus dem Socken herausgefallen sein musste und er das ganze
Geld verloren hat, das er an diesem Abend mitgenommen hatte.

- Aaahhaaa… - sagte sie – und nun? Wie wirst du für dein Abendessen zahlen? –
- Du wirst mir Geld leihen – forderte er sie ohne jegliche Scham auf.
- Wieso sollte ich das tun? Du hast doch vorhin zu mir gesagt, dass „wenn wir ausgeraubt werden, werden sie dein Geld ganz leicht finden und ich werde dir keinen einzigen Dollar
leihen” – sagte sie in einer albernen Stimme – Weshalb sollte ich dir auch nur einen einzigen Dollar leihen, wenn du nicht dasselbe für mich getan hättest? Findest du das fair? Du
bekommst nur, was du geben hast –

- Aber es ist deine Schuld – Er konnte immer noch nicht akzeptieren, dass er einen Fehler begangen hatte und gab Martha für seine Fehlentscheidung die Schuld – Du hättest mir
sagen müssen, dass es kein guter Ort war um Geld zu verstauen!-
- Und wenn ich es dir gesagt hätte, hättest du dann auf mich gehört und es nicht dorthin getan... einfach so? -  fragte sie und wusste, dass er selbst nicht an das glaubte, was er da
sagte.

- Komm schon, leih mir das Geld, ich werde es dir zurückgeben, wenn wir wieder in der Jugendherberge sind – sagte er und wollte, dass sie sich beeilte ihm das Geld zu geben.
- Ich werde es dir leihen, aber nur, weil ich keine Lust habe, mich mit dir zu streiten. Aber du solltest dir darüber im Klaren sein, dass du dein Geld nur verloren hast, weil du wir nicht
helfen wolltest, wenn ich ausgeraubt worden wäre. Ich hoffe, dass du daraus gelernt hast, dass deine Absichten und Wünschen in Bezug auf andere, immer wieder auf dich zurückfallen

- Belehre mich nicht, ich habe mehr Lebenserfahrung als du – sagte er mit seiner für ihn typischen überheblichen Attitüde.

- Vielleicht, aber es scheint, als ob du nicht eine verdammte Sache gelernt hättest – sagte sie und gab ihm das Geld.

Sie nahmen eine letzte Fähre nach Israel und gingen nach Jerusalem, um das Grab Jesus zu besuchen, aber das einzig Besondere, das Martha an diesem Ort fühlte, war das, was ein
Typ hinter dem Reißverschluss seiner Hose hatte, als er ihr in der Schlange zu nahe kam, aber ansonsten war da nichts Besonderes.

Aber Jason blieb fast jeden Tag die meiste Zeit im Hostel und rauchte etwa zwei Päckchen Zigaretten am Tag.
- Komm schon, Jason, lass uns irgendwo anders hingehen! – sagte sie und hatte keine Lust mehr die meiste Zeit im Zimmer der Jugendherberge zu sein.
- Ich möchte nicht nach draußen gehen, ich bin im Urlaub und möchte mich erholen –
- Wenn du nicht nach draußen gehen willst, sonern stattdessen im Bett bleiben und dich ausruhen willst, wieso bist du dann nicht in deiner Wohnung in Spanien oder in den USA
geblieben und hast dir das Geld für so eine weite Reise gespart? –
- Weil ich dann meinen Freunden erzählen kann, dass ich gereist bin und die Welt gesehen habe – sagte er den Rauch einer Zigarette ausatmend.

- O.k., ich wollte ja ohnehin alleine reisen. Wir reisen ja bloß gemeinsam, weil das Mädchen aus dem Camp darauf bestanden hatte, aber eigentlich gibt es keinen Grund dafür und
keinen Nutzen für uns gemeinsam zu reisen, also werde ich mein eigenes Ding machen, denn in diese Länder zu reisen ist nichts, was ich jede Woche machen kann und ich werde diese
Gelegenheit nicht ungenutzt lassen. Du bleibst in deinem Bett und rauchst deine hundert Zigaretten und ich werde die Welt erleben – und von diesem Augenblick an wartete sie bloß
morgens auf ihn bis sie bereit war zu gehen und wenn er nicht fertig war, ging sie alleine los, denn die wollte keine Zeit mehr vergeuden, denn die Zeit war zu wertvoll, um sie mit
Sinnlosem zu verschwenden.

Allerdings waren dies muslimische Länder und es war riskant für eine Frau alleine und ihre körperliche Erscheinung war auch nicht gerade hilfreich, denn sie war klein und sah nicht
gefährlich aus und sie hatte etwas an sich, das Männer mochten.

Sie wurde auf den Straßen bei jedem Schritt, den sie tat angehalten, wobei ihr angeboten wurde, Tee in einem Laden oder woanders trinken zu gehen und da sie keinen Begleitr hatte,
musste sie sich etwas überlegen, um aus der Situation heraus zu kommen und nicht jedes Mal die Männer wegzuschubsen, die versuchten sie zu begrabschen.  

Aber Israel war nicht so schlimm, wie es später in Ägypten sein würde, als sie in einem Nachtbus reisten.  
Sie gingen zu den Pyramiden , wie hunderte andere Touristen jeden Tag, und ritten auf Kamelen. Jason hatte einen Reiseführer dabei und er las über die Pyramiden, als er plötzlich
sehr aufgeregt wurde:

- Wow, kannst du das glauben? Als sie damals die Pyramiden gebaut haben, sahen sie nicht so wie jetzt aus; die Oberfläche war glatt und es fehlten keine Steine und sie waren farbig! –
Martha konnte darauf nichts erwidern, denn sie versuchte mit allen Kräften nicht zu lachen und ihm einen Spitznamen zu geben, doch Jason konnte das in ihrem Gesicht lesen, da sie
sich auf die Lippen biss.
- Ja, natürlich, du willst mir jetzt erzählen, dass du davon wusstest, nicht wahr? Ich glaube dir nicht. Ich glaube du hast keine Ahnung davon, denn das ist nichts, was jedem beigebracht
wird und du willst jetzt nur angeben –

Sie wollte sich nicht streiten und ging weiter und nach einer Weile wollte er zurück ins Hotel gehen
- Lass uns doch hier bleiben. Ich habe gehört, dass es abends über den Pyramiden eine Lichtshow geben wird – sagte sie.
- Nein, lass uns gehen. Der Film meiner Kamera ist schon leer –
- Und? Was hat das damit zu tun, ob wir bleiben, um die Show zu sehen? –
- Weil ich dann keine Fotos machen kann und meinen Freunden zeigen kann, dass ich es gesehen habe – antwortete er.

- Willst du damit sagen, dass der einzige Grund für dich zu reisen der ist, Fotos machen zu können, um sie deinen Freunden zu zeigen und nicht, weil du es magst und genießt?  –
fragte sie und versuchte nicht preiszugeben, was sie wirklich über in dachte.
- Der Grund ist doch egal. Tatsache ist, dass ich keinen Fotofilm habe und keine Fotos machen kann. Ich möchte zurück ins Hotel gehen und mich ausruhen –

Sie gingen gemeinsam, aber nur weil sie müde war und keine Energie hatte, sich mit ihm zu streiten. Im Hotel erzählte sie ihm dann, dass sie am nächsten Tag ins Ägyptische Museum
gehen wolle und Jason erwiderte, dass er sich nicht für Museen interessiere und lieber im Hotel bleiben würde.


Am folgenden Tag ging sie nun alleine ins Museum und etwa eine halbe Stunde,  bevor das Museum zumachte, traf sie zufällig Jason.
- Hast du gesehen, was die hier haben? – fragte Jason ganz aufgeregt.
- Natürlich habe ich es gesehen, ich war ja den ganzen Tag hier. Seit wann bist du denn hier? Ich wusste ja gar nicht, dass du dich entschieden hast zu kommen –
- Wieso hast du mir nocht schon früher gesagt, was sich hier für Dinge im Museum befinden? Sie schließen jetzt und ich werde nicht genug Zeit haben, mir alles anzusehen–

- So typisch von dir. Jetzt bin ich schuld daran, dass du nicht alle Wunder beäugen kannst, die man hier entdecken kann. Ich finde es ist nun wirklich die Zeit gekommen, dass du
anfängst zu akzeptieren, dass du für deine Entscheidungen im Leben selbst verantwortlich bist und zwar nicht nur für  jene, die einen positiven Ausgang nehmen, sondern für alle. Was
sagst du, studierst du nochmal? –fragte sie.

- Psychologie. Aber egal, du hättest mir erzählen müssen, dass das Museum besonders ist –
- Ich kann mir vorstellen, wie du deine Patienten therapieren wirst und sie tun mir jetzt schon leid. Ich werde nichts mehr dazu sagen, weshalb ich dir nichts davon gesagt habe, denn ich
habe dir davon erzählt und du hast gesagt, dass du an keiner Art von Museum interessiert wärst. Genieß den Abend, ich möchte noch eine letzte Halle besichtigen, die ich noch nicht
gesehen habe –


Am nächsten Tag wollte sie ein Viertel von Kairo besuchen, in dem sich Moscheen und Paläste befanden, während Jason im Hotel blieb und rauchte. Wenn sie nach dem Weg fragen
musste, fragte sie nie einen Mann, denn die würden ihr nicht antworten, sondern sie auf einen Tee einladen. Sie fragte Frauen, obwohl sie wusste, dass sie meistens kein Englisch
sprachen, aber sie waren nett und baten einen Mann für sie zu dolmetschen. Und mit einer zusätzlichen Frau zur Stelle, konnten sie Martha nicht belästigen, noch sie auffordern mit
ihnen zu kommen und sie bekam so die Information, die sie benötigte.
Doch hatte sie aus ihrer Erfahrung in Israel gelernt, dass, um keine Probleme mit Männern zu bekommen, man letztendlich die Begleitung eines Mannes für den Tag akzeptieren
musste, damit er die restlichen Männer verscheuchte, so dass sie schließlich nur noch einen Mann loswerden musste.

- Wie war dein Tag? – frgate sie Jason.
- Großartig, ich war hier und habe mich ausgeruht. Das hatte ich gebraucht, nachdem ich gestern im Museum gewesen bin –
- Ja, natürlich – sagte Martha und versteckte dabei ihr Gesicht, weil sie lachen musste.

- Weißt du, an der Grenze haben wir nur ein Visum für eine Woche bekommen und morgen ist die Woche vorbei und unser Bus fährt am nächsten Tag zurück nach Israel, weshalb wir
morgen zur Einwanderumgsbehörde gehen müssen um uns einen Stempel für unser Visum abzuholen, damit wir an der Grenze keine Probleme kriegen werden – sagte Jason.
- O.k., um wieviel Uhr gehen wir denn zur Einwanderungsbehörde? Denn ich würde noch gerne woanders hingehen, da es unser letzter Tag hier ist –
- Gegen zwölf Uhr mittags, du weißt ja, dass ich mich in meinem Urlaub nicht hetzen möchte – sagte er und zündete sich eine Zigarette an.

- Aber wenn wir da um zwölf hingehen, plus der Zeit, die wir benötigen, um dahin zu kommen, dann auf den Stempel zu warten, dann ist doch schon der ganze Tag vorbei und wir
werden nicht mehr woanders hingehen können – sagte Martha, die hoffte, dass er sich dann die Mühe machtn und früh aufstehen würde, aber er tat es nicht.
- Dann geh doch hin, wo immer du auch hingehen möchtest und wir treffen uns hier am Nachmittag. Vergiss nicht, dass sie um 7 Uhr abends schließen und wenn du gegen 6 Uhr hier
bist, schaffen wir das noch –

Sie hatte keinen genauen Plan und wusste nur, dass sie ein kleines Dorf besichtigen wollte, in dem laut Reiseführer schöne Keramiken hergestellt wurden. Sie nahm einen örtlichen Bus
und neben ihr saß ein junger Mann, dessen Englisch schlecht war, aber doch zur Verständigung reichte. Er würde „ihr Begleiter” für den Tag werden, der ihr helfen würde die anderen
Männer loszuwerden.

Als sie im Dorf ankamen, erzählte er ihr, dass in der Nähe seines Dorfes Archäologen vor kurzem Ruinen kleiner Pyramiden entdeckt hatten und dort gab es noch keinerlei Tourismus,
würde aber wohl so in der Zukunft noch kommen und er bot ihr an, dort ihr Führer zu sein. Da sie noch keine Pläne hatte, klang das interessanter als mit dem kindischen Jason im Hotel
zu bleiben und sie hatte kein schlechtes Bauchgefühl, was ihr zeigte, dass sie diesem Mann trauen und mit ihm gehen konnte.

Aber er musste zunächst seinen Onkel bei den Pyramiden von Gizeh treffen, um etwas zu erledigen und als sie dort ankamen, ließ er Martha mit dem Onkel alleine, während er nach
draußen ging. Der Mann war der Besitzer der Kamele, die man in den Pyramiden mieten konnte. Er plauderte mit ihr und versuchte persönliche Informationen von ihr zu bekommen: ob
sie verheiratet sei und dann fragte er sie ganz direkt:
- Ich biete dir zwei Kamele an, wenn du mit mir in diesen Raum kommst – sagte er.
- Nein danke, ich bin hier mit Abdul hergekommen, damit er mir etwas in seinem Dorf zeigt und habe kein Interesse an etwas anderem – sagte sie und hielt mit ernstem Gesicht Distanz
zu ihm, um ihm zu zeigen, dass er sich besser von ihr fernhielt – „Nur zwei Kamele?” – Dachte sie scherzhaft beleidigt zu sich selbst – „Er denkt ja wirklich, dass ich eine billige Schlampe
bin! Ich bin mindestens 8 Kamele wert!” – und versteckte ihr Gesicht, da sie lachen musste.

Der Ladenbesitzer sah, dass er keine Chance hatte und versuchte es auch nicht weiter. Stattdessen ging er nach draußen und rief Abdul, wobei Martha nun verstand, worum es hier
ging, aber es war ihr trotzdem egal und sie fühlte sich beschützt.

Sie nahmen ein örtliches Auto, das die Leute nahmen, um zu den Dörfern zu gelangen und worin nur fünf Menschen plus Fahrer passten. Martha saß hinten in der Mitte mit Abdul zu
ihrer Rechten und einem anderen Mann zu ihrer Linken, es saß noch einer vorne und sie warteten auf noch eine Person, die auch vorne sitzen sollte. Doch viele Männer näherten sich
dem Auto, um die weiße Frau, die da saß, zu betrachten.

Dann wurde es zu einer Menge anzüglich grinsender Männer, von denen manche sogar auf die Scheiben sabberten. Sie wurden lauter bis ihre Stimmen zu einem Schreien anschwoll
und plötzlich rief Abdul etwas, drückte den Türgriff nach unten, um die Tür zu blockieren, die anderen zwei Männer taten dasselbe und während er auch die Tür des Fahrers verschloss,
schrie er ihn an: – Los! Los! Los! – Der Fahrer drückte das Gaspedal durch und fuhr fast ein paar der Männer um, die begannen, auf das Auto einzuschlagen, während es wegfuhr.
Ihr war klar was hätte passieren können, aber sie hatte trotzdem keine Angst und fühlte sich beschützt.

Sie fuhren etwa eine Stunde aus Kairo heraus, stiegen in einem winzigen Dorf angekommen aus dem Auto aus und als sie durch die Straßen gingen, gesellten sich Kinder zu ihnen und
gingen ihnen fröhlich rufend nach; Frauen machten ein lautes Geräusch und informierten so alle, dass jemand neues da war.

Sie kamen zu Abduls Haus und die Frauen, die im Hauptraum saßen, verließen ihn in dem Augenblick. Sie taten dies nicht, weil sie den Gast nicht respektierten, sondern weil es
Tradition ist, dass Frauen sich nicht im selben Raum wie Männer aufhalten sollten. Ein „Cousin” von Abdul, Salim, kam und die Frauen brachten Essen, das sie auf eine Tischdecke auf
den Boden stellten. Die drei setzten sich auf den Boden, aber Martha kannte die muslimischen Essgewohnheiten nicht und wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Sie wusste nur,
dass sie kein Toilettenpapier verwendeten, sondern sich im Bad mit Wasser wuschen und dabei die linke Hand benutzten. Dort lag ein flacher, runder Brotlaib, den man mit den Händen
zerreißen musste und ihr einziger Gedanke war, ob die anderen sich die Hände gründlich nach dem Toilettengang gewaschen hatten.
Sie merkte, dass sie sich nicht auf das Gespräch konzentrieren konnte, weil sie sich die ganze Zeit vorstellen musste, wie Bakterien über das Brot krochen und entschloss sich nicht
mehr länger darüber nachzudenken und das Gespräch einfach zu genießen.

Salim arbeitete irgendwo mit Touristen zusammen, weshalb sein Englisch gut war und sie sprachen über persönliche Dinge bis zu dem Augenblick, bis Salim sie heiraten wollte.
- Nein danke, ich habe kein Interesse. Ich werde niemanden heiraten, ich möchte frei sein und mich mit niemandem Zuhause auseinandersetzen müssen – erwiderte sie auf seinen
Antrag.
- Keine Sorge, ich werde dich nicht unter Druck setzen, du kannst frei sein, wenn du mit mir verheiratet bist – beharrte er.
- Ich bin mit Abdul hierher gekommen, um die Pyramiden zu sehen. Lasst uns besser gehen, sonst wird es noch zu spät –

Salim bat seinen Nachbarn darum, ihm den Esel auszuleihen, doch der Esel hatte keinen Sattel, bloß eine Decke und so fiel es ihr schwer zu reiten und die Balance zu halten, also zog
sie es vor zu laufen. Während sie liefen sprachen Salim und Martha noch über Verschiedenes und Abdul war sehr ruhig. Nachdem sie eine Stunde lang durch die Wüste gelaufen
waren, kamen sie an die Ruinen der kleinen Pyramiden. Salim versuchte zu erklären, was man über die Geschichte dieser Pyramiden vermutete, während sie in der Gegend umherliefen
und nach einer Stunde kamen sie wieder ins Dorf zurück.

Als sie dort ankamen, fing Salim wieder mit der Idee an Martha zu heiraten.
- Wie ich bereits sagte, ich möchte niemanden heiraten und nun muss ich den Bus zurück nach Kairo nehmen – sagte sie.
- Bus? Es gibt keine Busse hier – sagte Salim.
- O.k., dann eben eines der Autos, das Leute in die Stadt fährt – sagte Martha und erinnerte sich an das Auto, mit dem sie hierher gekommen war.
- Nun ist es fünf Uhr abends, das letzte Auto fährt um halb fünf. Es fahren keine Autos mehr – sagte Salim lachend.

- Was? – sie war überrascht – Das kann nicht sein! Ich muss nach Kairo zurückkommen! Wieso habt ihr mir das nicht gesagt, bevor das letze Auto fuhr? – sagte sie und sah sie
erschrocken an.
- Weil du dann bei uns bleiben musst und wir heiraten können –beharrte Salim.
- Ich reise mit einem Freund zusammen und wir sind um sechs Uhr abends verabredet und wenn ich nicht dort bin, wird er die Polizei rufen – sagte sie und versuchte ihnen Angst zu
machen.

Salim und Abdul lachten – Keine Sorge – sagte Salim – die Polizei hier unternimmt nichts, sie werden nicht nach dir suchen –
Sie fühlte sich hoffnunslos, während Salim plante, was als nächstes zu tun sei, wie sie heiraten würden und wo und eine halbe Sunde lang von Zukunftsplänen sprach.

Aber sie verzweifelte nicht. Sie wusste irgendwie, dass Abdul ein großes Herz hatte. Er war immer ruhig, weil er nicht viel auf Englisch sagen konnte und er blieb Beobachter der
Gespräche, doch  er arbeitete nicht in der Tourismusbranche  und sein Verstand war noch nicht von Ideen, die von Fremden kommen könnten, korrumpiert und er behielt seine
Natürlichkeit. Martha hatte das Gefühl, dass er noch eine Art von Gentleman war.

Sie sah ihn so an, als ob sie mit ihm flirten würde, sah ihm in die Augen und schickte ihm die Botschaft, dass sie Hilfe brauchte und sie fragte ihn im Geiste – „Kannst du mir bitte dabei
helfen zurück nach Kairo zu kommen?”–
In diesem Augenblick reagierte Abdul und stand auf, bat Salim ernst mit ihm das Zimmer zu verlassen und sie gingen und sie hörte einen Streit zwischen ihnen. Wenige Minuten später
war es ruhig, sie verließen das Haus und kamen nach weiteren 10 Minuten wieder.

- Wir haben das Auto eines Freundes organisiert und wir werden dich bis an die Stadtgrenze von Kairo bringen, von wo aus du einen Bus ins Zentrum nehmen kannst – sagte Salim.
Martha wollte gar nicht erst nachfragen, denn sie war bereits zufrieden.
- Ja, Abdul hat mir die Nachteile darin aufgezeigt, dich hier zu behalten, wie etwa die Probleme, die wir mit deiner Botschaft bekommen würden und er hat Recht. Wir werden dir dabei
helfen von hier wegzukommen – sagte Salim etwas traurig, da er nicht bekam, was er wollte.

Abdul trat mit einem breiten Grinsen ein, denn er war froh, dass er es geschafft hatte Salim davon zu überzeugen, ihr zu helfen und er zeigte auf die Tür, um ihr mitzuteilen, dass ihr
Freund mit dem Auto bereits vor der Tür wartete und sie losgehen sollten.

Sie fuhren nach Kairo zurück und hielten an der äußeren Stadtgrenze an. Als sie dort angelangten, kam bereits ei n Bus, den sie anhielten. Sie war so froh, dass sie nicht nachdachte
und wie ein typisches spanisches Mädchen reagierte und ihnen beiden einen Kuss auf die Wange gab und ihnen mehrfach mit einem breiten Grinsen „danke”  sagte und in dem
Moment, in dem sie es tat, sah sie die beiden erschrockenen Gesichter von Salim und Abdul und als Reaktion heraus bei sich dachte: – „Oh, scheiße, was habe ich da nur getan?
Vielleicht habe ich mich erneut in Schwierigkeiten gebracht” –

Doch stattdessen stiegen die beiden jungen Männer in den Bus und riefen etwas und bedrohten alle, auch den Fahrer. Sie sah, dass die anderen Fahrgäste Angst hatten und blickte
Salim an.
- Keine Sorge – sagte Salim – ich habe ihnen gesagt, dass du unser Gast und unsere Freundin bist und wenn sie dich belästigen oder sonst irgendwie Probleme bereiten, wir sie
suchen werden und ihnen mehr als nur ein Problem geben werden, denn die Leute in unserem Dorf sind bekannt dafür, Probleme zu bereiten. Und ich habe dem Fahrer erklärt, wo er
dich aussteigen lassen soll, sobald du in der Innenstadt bist. Also mach dir keine Sorgen, du wirst sicher ankommen –
Sie war auch darüber sehr froh und ihr Lächeln konnte breiter nicht werden und wieder wiederholte sie mehrmals „danke”.

Die Fahrgäste machten ihr Platz, sagten ihr, sie solle sich neben eine andere Frau setzen, niemand störte sie und dann teilte ihr der Fahrer mit, dass sie an ihrer Haltestelle
angekommen war und in welche Richtung sie nun gehen sollte. Sie fragte ihn, wieviel die Fahrt kosten würde und hoffte dabei, dass es nicht zu viel sein würde, weil sie nur einen Dollar
dabei hatte, aber er gab ihr „nein, sie ist umsonst” zu verstehen und bat sie auszusteigen, wie um ein Ärgernis loszuwerden.

Sie warf einen Blick auf ihre Uhr im Rucksack und es war bereits viertel nach sieben abends, zu spät also, um noch zur Einwanderungsbehörde zu gehen, weshalb sie Probleme an der
Grenze bekommen würde. Sie ging ins Hotel und traf dort Jason.

- Wo warst du? Ich hatte dir doch gesagt, dass du um sechs hier sein musst! – sagte er verärgert.
- Tut mir leid, es ist etwas passiert und ich konnte nicht vorher kommen. Ich weiß, dass ich jetzt Probleme an der Grenze bekommen werde –
- Nein, wir haben immer noch Zeit es zu schaffen, wenn wir uns beeilen dorthin zu kommen – sagte Jason und versuchte sie dazu zu bewegen, schnell mit ihm nach unten zu gehen.
- Sie schließen um sieben und jetzt ist es schon halb acht, wir schaffen es zeitlich nicht mehr – entgegnete sie und hielt ihn davon ab sie nach draußen zu schieben.
- Als du um sechs nicht da warst, bin ich alleine dorthin gegangen. Als sie drankam, erklärte ich ihnen, dass noch jemand hätte kommen sollen, aber du bist ja nicht erschienen, und sie
sagten mir, dass heute Zeitumstellung in Ägypten ist, also wenn  die Uhrzeit von der Sommerzeit nach hinten gestellt wird, was bedeutet, dass es nicht sieben Uhr dreißig ist, sondern
sechs Uhr dreißig. Wir können jetzt dahin gehen –
- Was?!- Martha lachte. Sie konnte ihr Glück nicht fassen.

Als sie die Straße entlanggingen, fragte sie Jason:
- Hast du dir Sorgen um mich gemacht? Hast du die Polizei gerufen? –
- Niemals, mir ist egal, was mit dir geschieht. Ich habe mir nur wegen deiner Mutter Sorgen gemacht, weil ich ihr hätte erzählen müssen, was mit dir passiert wäre – sagte er ernsthaft.
- Ich verstehe ja, dass du Angst vor meiner Mutter hast, aber … - dann verstummte sie,denn sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, so einem Menschen etwas über Mitleid begreiflich zu
machen.

Sie erreichten die Einwanderungsbehörde und eine Minute, bevor die Behörde schloss, bekam sie ihren Stempel. Sie ging mit einem breiten Grinsen an diesem Abend zu Bett und
fühlte große Dankbarkeit Abdul gegenüber und dafür, dass alles so gut und perfekt abgestimmt funktioniert hatte.


Sie reisten am nächsten Tag mit dem Bus nach Israel zurück und sie mussten ein Taxi zum Flugahfen von Tel-Aviv nehmen. Sie hielt ein Taxi an, fragte, wieviel es bis zum Flughafen
kosten würde und blicke dann Jason an, um zu erfahren, ob seiner Meinung nach der Preis in Ordnung war, aber Jason regte sich nicht und sie lies das Taxi wieder weiterfahren.

- Was ist denn los? Wieviel denkst du denn, dass es kosten sollte? – fragte sie ihn.
- Ich habe geschaut, wieviel Geld ich noch habe und ich habe nichts mehr übrig außer einem Dollar, ich kann kein Taxi bezahlen. – sagte er.
- Was?!. Du hattest fast das Dreifache des Geldes, mit dem ich losgereist bin und du hast fast nichts getan, außer im Hotel zu bleiben und zu rauchen, während ich herumgereist bin
und nun hast du kein Geld mehr? – Sie schrie ihn schon fast an – Wie hast du es geschafft so viel Geld loszuwerden?-
- Ich weiß es nicht – sagte er und blickte dabei dumm aus der Wäsche.

- Du trinkst vielleicht keinen Alkohol mehr, aber du rauchst wie ein Schlot. Es scheint so, als ob dein Laster deine Hauptbeschäftigung wäre und anstatt die wunderbare Gelegenheit, die
wir hatten, zu nutzen, hast du dein Geld aus dem Fenster gepufft! Und ich sollte dich auch an etwas erinnern, dass du mir vor der Reise gesagt hattest: „Wenn dir irgendwann das Geld
ausgehen sollte … frag mich bloß NICHT nach auch nur einem einzigen Dollar. Wenn du an einem Ort hängenbleibst, denn ich werde dir nicht helfen … pff… du hast ja keine Ahnung
vom Reisen!” – sagte Martha mit alberner Stimme und war wütend auf ihn – Wer hat keine Ahnung vom Reisen? DU, und wer wird dir nicht dabei helfen, das Land zu verlassen? ICH.
Dann solltest du nun überlegen, wie du am besten zum Flughafen läufst, oder zur Botschaft, damit sie dir dort weiterhelfen –

- Ach komm schon, sei doch nicht so, das ist unfair! – sagte er und war immernoch nicht in der Lage sich zu entschuldigen oder bitte zu sagen.
- Hör zu, ich bin nicht wie du. Ich habe das Glück gehabt, mit Mitgefühl geboren worden zu sein. Du solltest dich dafür schämen,  anderen nicht helfen zu wollen und du solltest wissen,
dass wie man in den Wald hereieinruft, es so wieder heursschallt. Du hilfst nicht, also solltest du auch keine Hilfe erhalten. Aber ich weiß auch, dass wir von Leben zu Leben zirkulieren
und immer wieder die gleichen Fehler begehen und ich weiß, dass wenn ich dir nicht helfe, ich solch eine Situation in meiner Zukunft erschaffen werde. Ich tue es wahrscheinlich nicht
aus wahrem Mitgefühl heraus, sondern weil ich nicht noch einmal in diese Situation kommen möchte und du hast Glück, weil ich diesen Augenblick als den Augenblick wiedererkenne,
als ich bei den Ägyptern war und sie mir geholfen haben, also zahle ich ihnen durch dich ihre Güte zurück –
Jason sah sie zufrieden an, aber er sagte immernoch nichts.
- Und ich frage mich auch noch, wie du als Psychologe Menschen helfen willst, wenn du dieses Verhalten ja gar nicht kennst? Es ist nicht Teil deiner Natur – sagte sie und hielt noch
einmal ein Taxi an.
- Weil ich nur mit Alkholikern arbeiten möchte – entgegnete er.
- Du musst trotzdem eine andere Einstellung Menschen und dem Leben gegenüber entwickeln –

Als sie bei Marthas Haus ankamen, nahm Jason seine Sachen, fuhr nach Madrid und dann hatten sie keinen Kontakt mehr.
Irgendwas hatte sich in Martha verändert und sie fühlte sich freier und stärker. An ihrer Uni gab es Gärten und dort ging sie hin, um ihre Privatsphäre zu haben und mit Matthew zu
reden.

- Es war eine tolle Reise, Matthew – sagte sie mit demselben Lächeln, das sie seit jenen Tagen hatte.
- Vielleicht bist zu ein zu hohes Risiko eingegangen, als du mit den zwei Typen, die du nicht kanntest, in die Wüste gegangen bist, denn sie hätten dir etwas antun können, das weißt du
auch – sagte Matthew.

Sie lachte – Auf keinen Fall. Im Laufe meines Lebens habe ich gelernt zu verstehen, was mein Bauchgefühl mir sagt, oder vielleicht sollte ich es Intuition nennen. Es ist ein Gefühl, das
ich im Magen spüre oder in meinem ganzen Körper –
- Und? – fragte Matthew.

- Du erinnerst Dich doch an meine Beschützerin, die mich über diese Jungs auf den Motorrädern gewarnt hat, oder? – sie wusste, dass Matthew sich an sie erinnerte – Seitdem weiß
ich, dass sie auf mich aufpasst und sie nicht zulassen wird, dass mir etwas Schlimmes geschieht. Dieses eine Mal hatte sie direkt zu mir gesprochen, aber dann verstand ich, dass sie
nicht immer spricht, sondern mich durch ein eigenartiges Gefühl im Magen, einem Gefühl der Nervosität oder der Angst warnt, wenn ich zu einem bestimmten Ort gehe, oder etwas tue
oder ich fühle, wie meine Füße ganz schwer werden, wenn ich in eine bestimmte Richtung gehe. Und all dies bedeutet für mich ein absolutes „Geh nicht dortin, tu das nicht, oder
schlechte Neuigkeiten werden dich erwarten, wenn du dort ankommst ” -
- Bist du sicher, dass das die Bedeutung von allem ist? – fragte Matthew erneut.

- Ja, wie als ich noch ein Kind war und eines Tages, auf dem Nachhauseweg nach der Schule, ein ungutes Gefühl bekam und nervös wurde. Ich beeilte mich nach Hause zu kommen,
weil ich das Gefühl hatte, es tun zu müssen. Später zeigten sie in den Nachrichten, dass auf meinem Nachhauseweg ETA einen Mann umgebracht hat und das nur wenige Minuten
nachdem ich dort vorbei nach Hause gehetzt bin –
- Und wieso ist dann diese Sache mit dem Mann im verlassenen Haus passiert?– fragte Matthew, auch um sie etwas zu ärgern.
- Weil ich es damals noch nicht richtig einordnen konnte. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass mich etwas davon wegtrieb ihm zu helfen, aber ich beachtete dieses Gefühl nicht.
Außerdem halte ich es für sehr wichtig auf unsere Intuition zu hören, anstatt auf schöne Worte von Leuten, oder nicht? –

Matthew lachte – Ich freue mich, das zu hören, denn es scheint, dass dein Selbstbewusstsein sehr stark geworden ist. Natürlich weiß ich, weshalb du ohne jegliche Angst mit den
Männern dorthin gegangen bist. Ich wollte nur sichergehen, dass du weißt wieso. Und ja, wenn du richtig lernst dein Bauchgefühl zu interpretieren, dann höre auf deine Intuition, denn
das ist besser, als darauf zu hören, was andere dir sagen, weil es deine Intuition ist, dein Höheres Selbst, Gott, der sehr weise ist und weiß, was das Beste für dich ist, egal was andere
Menschen denken, was das Beste ist. Du bist dein bester Berater, weil du dich besser als jeden anderen kennst, seit deiner Geburt und sogar noch vorher. Dein Unterbewusstsein weiß
alles, auch wenn du dich nicht daran erinnerst –

Martha blickte in den Himmel und hatte erneut das Gefühl, eins mit ihm zu sein.

- Folge immer... deinem Bauchgefühl, höre auf deine Intuition. Jeder Mensch hat eine Intuition, aber nicht jeder hört darauf, denn sie denken es sei „bloß ein Gedanke“. Ja, Martha, du
wirst beschützt... von deiner Intuition – hörte Martha Matthew noch aus der Ferne sagen.
Kapitel Sechsundzwanzig
               26
Ägypten
Nachdem sie einen Monat lang im Norden gearbeitet hatte, wurde sie zu der Hauptschule in der Nähe von Madrid geschickt und gegen Ende des Jobs dachte sie daran, dass sie gerne
wieder verreist wäre, so wie sie das im vorangegangenen Jahr mit Parker gemacht hatte. Diesmal wollte sie jedoch alleine gehen oder mit jemandem, der oder die nicht von sich dachte,
die einzige zu Entscheidungen berechtigte Person zu sein und sie sprach darüber mit einer spanischen Kollegin.

- Ich spiele mit dem Gedanken vielleicht  Richtung Israel oder Ägypten zu reisen, irgendwas  Abenteuerliches –
- Das klingt wirklich gut. Wieso gehst du nicht mit Jason zusammen? Er möchte auch in diese Richtung reisen und vielleicht könnt ihr euch gegenseitig helfen, denn diese Gegend ist
etwas gefährlich und es wäre besser, wenn man mit jemandem zusammen reist. Meinst du nicht? – sagte ihre Kollegin, eine weitere Freizeitbetreuerin wie sie.
- Hmm, ich weiß nicht. Ich habe im Juli mit ihm zusammen gearbeitet und finde nicht, dass er ein sehr interessanter Mensch ist, sondern ein bisschen langweilig und kindisch. Ich habe
nicht das Gefühl, dass er mir von großer Hilfe sein würde– sagte Martha.
- Vielleicht, aber wenigstens könnte, falls einem von euch etwas passiert, der andere Hilfe holen –

Sie wollte nicht noch einmal mit einem Mann verreisen, da das Erlebnis vom letzten Jahr genug für sie gewesen war, aber ihre Kollegin erzählte Jason von Marthas Plänen und er teilte
Martha mit, dass er es für eine gute Idee hielt und schließlich vereinbarten sie zusammen zu reisen und er verbrachte noch ein paar Tage bei Martha Zuhause bevor sie aufbrachen.

Jason war ein Amerikaner aus New Mexico, der seit zwei Jahren in Spanien lebte, nach dieser Reise aber zurück in die USA gehen würde, um sein Universitätsstudium fortzusetzen. Er
war früher Alkoholiker gewesen, half aber bei den AA aus und trank nun nicht mehr.

Bevor sie aufbrachen, fragte Jason sie, wieviel Geld sie mit auf die Reise nehmen würde.
- 40.000 Peseten, nachdem ich das Ticket nach Athen gekauft habe – sagte sie. Das waren etwa 250€.
- Was? Nur? Für einen Monat, in dem wir durch verschiedene Länder reisen, noch mehr Flugtickets kaufen müssen, plus schlafen, essen... bist du wahnsinnig? – rief Jason.
- Ich kann nicht mehr ausgeben, denn ich muss für das nächste akademische Jahr die Studiengebühren bezahlen –

- Hör zu, ich nehme sehr viel mehr Geld mit als du, fast dreimal so viel. Und wenn dir irgendwann das Geld ausgeht... frag mich NICHT auch nur um einen Dollar. Wenn du in einem Land
hängenbleibst, weil du kein Geld mehr hast, geh zur spanischen Botschaft dort und frage um Hilfe, denn ich werde dir nicht helfen … pff… Du hast echt keine Ahnung vom Reisen! –
- Das ist schon o.k., mach dir keine Sorgen. Ich bin mir sicher, dass ich es so machen möchte und vielleicht habe ich nicht genug Geld, aber „jemand” wird schon für mich sorgen – sie
lachte und Jason blickte sie an, als ob sie richtig dumm wäre – Das wurde mir so gesagt und ich glaube fest daran. Ich habe keine Ängste, keine Sorgen, du bist derjenige, der sie hat –
lachte sie.

- Ja, ja... jetzt lachst du... mal sehen, wer dir helfen wird, wenn der Moment gekommen ist … „wer auch immer” dir gesagt hat, dass er sich um dich gekümmert hat, hilft dir vielleicht in
diesem Moment, ich aber nicht, ich hoffe, das ist klar – sagte er, drehte sich um und wollte nichts mehr von dem Thema wissen.

Sie nahmen ein Flugzeug nach Griechenland, besichtigten das Parthenon und als sie dort ankamen, sah sich Jason um und fragte genervt:
- Gibt es hier denn niemanden, der uns erklären kann, was das für Steine sind? – Und wie ein Stein fühlte sich Martha bei so einer Frage wie versteinert. Sie verstand nicht, wie es
möglich war, dass jemand, der an einer Universität studierte und ein Minimum von kulturellem Verständnis haben sollte, nicht wusste, was das für „Steine” am Parthenon waren und sie
begann zu verstehen, mit was für einer Person sie da reiste.
Bedingungslos
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